Oma Dela – Slum-Bewohnerin und Aktivistin


Mit bürgerlichem Namen heißt die Frau Ecih Kusumawati, aber sie nennt sich selbst „Oma Dela“ (eigentlich: „Oma von Dela“). Die Anfang-Sechzigjährige ist eine der Millionen Namenlosen, die sich in irgendeinem Winkel der Megacity Jakarta ein Häuschen für sich und ihre Nachkommen zusammengezimmert hat. Es steht am äußersten Rand der Stadt, in einem Kampung auf Stelzen, weil hier eigentlich schon kein Land mehr ist, sondern das Watt der Javanischen See beginnt.

Für das Überleben der Großfamilie sorgt u.a. ihr zwölfjähriger Enkel Herman, indem er als sogenannte „Fischkatze“ allabendlich den Ausschuss des Fischmarkts einsammelt. Obwohl es offiziell keine Schulgebühren gibt, besuchen er und seine Geschwister sie nicht, denn sie können sich schlicht die „Schulgebäudegebühr“ nicht leisten.

Zu allem Unglück möchten Investoren aus aller Welt ihr Geld gerade dort investieren, wo sich Oma Delas Familie sesshaft gemacht hat – freilich ohne dafür einen Landtitel zu besitzen. Ihr Häuschen steht auch rechtlich auf unsicherem Grund.

Oma Dela hat also schlechte Karten, aber sie weiß, dass sie nicht alleine ist, sondern viele Leidensgenossen hat. Deshalb schließt sie sich der „Urban-Poor“-Bewegung von Wardah Hafidz an, die die neugewonnene Freiheit und Demokratie dazu nutzen will, die zahllosen strukturellen Probleme des Landes zu lösen.



Wardah Hafidz – Koordinatorin der Organisation UPC (Urban Poor Consortiums)


Wardah ist gleich alt wie Oma Dela, hat aber eine gänzlich andere Biographie: Während Oma Delas Eltern als Kommunisten zu den Geächteten Indonesiens gehörten und ihr deshalb ein Schulbesuch verboten war, stammt Wardah von einer angesehenen muslimischen Familie ab. Sie und ihre Geschwister konnten in den Vereinigten Staaten studieren. Aber während sich ihr Bruder zum islamistischen Terroristen entwickelte, der wegen eines versuchten Anschlags auf den Diktator Suharto in den 1980er Jahren hingerichtet wurde, war Wardah früh eine prominente Feministin der ersten Stunde.

In den vergangenen 20 Jahren haben sich ihre Aktivitäten auf den Kampf gegen Armut verlagert – und genauso wie als Feministin glaubt sie auch hier an die Selbstbefreiung der Unterdrückten: Statt Almosen spendet sie ihr privilegiertes Wissen und beginnt eine unermüdliche Aufklärungsarbeit. Ihr geht es nicht um materielle Werte – sie sieht vielmehr in der gegenseitigen Hilfe, die in den Kampungs alltäglich ist, das große Kapital der Armen. Mit ihren Mitstreitern organisiert sie Workshops und Vorschulen, sie klärt die Entrechteten über ihre Rechte auf und wie sie dafür einstehen können. Damit eckte sie bereits während der Militärherrschaft an – und das ist bis heute so geblieben, denn auch demokratische Investoren mögen keinen Grund und Boden, auf dem die Menschen kostenlos hausen.

Diese Solidarität der Kampungs will Wardah nun in der hohen Politik ummünzen: Wenn die Armen erst wissen, was sie wirklich wollen, so Wardahs Kalkül, dann kann die „Herrschaft der Mehrheit“ erst wirklich funktionieren.

Mehr zu Wardah Hafidz



Special Appearance:

Joko Widodo (Jokowi) – Gouverneur von Jakarta seit September 2012


Am Ende des Films taucht Joko Widodo als Kandidat für die Gouverneurswahlen in Jakarta auf, der sich bereit erklärt, den „Politischen Vertrag“ mit dem Volk zu unterzeichnen. Der charismatische Politiker mit sanftem Charme gewinnt daraufhin die Wahlen haushoch gegen den Amtsinhaber.

In seiner anderthalbjährigen Amtszeit hat Jokowi, wie er liebevoll von der Öffentlichkeit genannt wird, nicht an politischer Glaubwürdigkeit verloren: Er hatte nicht zu viel versprochen und er konnte viele effektive Maßnahmen durchsetzen. Wardah und ihre Freunde konnten sich dessen einigermaßen sicher sein, denn schon als Bürgermeister der mitteljavanischen Großstadt Solo hat er sich als Anwalt der Armen einen Namen gemacht.

Im Juli dieses Jahres stehen Präsidentschaftswahlen an und auch hier wurde er als Kandidat aufgestellt. In den Umfragen führt er mit großem Vorsprung.